Buddha-Haus-Hospiz e.V.

Sterbebegleitung im Lichte der Buddha-Lehre

Hospizdienst

Der Buddha-Haus Hospiz e.V. wurde in 2007 gegründet und eröffnete Anfang 2010 einen ambulanten Hospizdienst in München, nachdem von Mai bis Dezember 2009 die erste Ausbildung zum „Hospizbegleiter – Sterbebegleitung im Sinne der Buddha-Lehre“ durchgeführt wurde. Ende 2009 erhielten 20 Teilnehmer das Zertifikat zum Hospizbegleiter. Die Mehrzahl der Absolventen möchte ihre Fähigkeiten in eine Begleitung für Menschen in der letzten Lebensphase einbringen. Die zweite Ausbildungsreihe findet von Mai bis Dezember 2011 statt.

Unsere Hospizbegleiter/innen unterstützen kranke Menschen und ihre Angehörigen durch wöchentliche Besuche. Sie bringen Zeit und Bereitschaft zum Gespräch mit, hören zu und stellen sich als Mensch zur Verfügung. Möglich sind auch konkrete praktische Hilfen, wie z.B. die Begleitung bei Spaziergängen, Arztbesuchen oder Besorgungen. Dieser ambulante Dienst ermöglicht neben bestehenden Fachdiensten eine zusätzliche Betreuung von Menschen daheim, im Krankenhaus oder Pflegeheim.

Das Anliegen unserer Arbeit ist eine Verbindung zwischen spiritueller Praxis und praktischer sozialer Aktion herzustellen. Durch die praktische Hilfe für Sterbende und ihrer Angehörigen manifestiert sich unsere spirituelle Ausrichtung. Eine besondere Gelegenheit, unser ganzes Potenzial, die heilsamen menschlichen Qualitäten zum Wohle möglichst vieler Wesen weiter zu erwecken.

Die materielle Grundlage unserer Arbeit ist das Dana-Prinzip. Wir wollen unsere Fähigkeiten und unsere Zeit frei geben, darüber reden und uns über jeden Beitrag freuen, der unsere Arbeit unterstützt und möglich macht. Mögen alle Wesen im Dhamma wachsen, eine innere Zuflucht und inneren Frieden finden.

Wir sind erreichbar über

Telefon:           0176 - 10 14 21 83
Email:             info@buddha-haus-hospiz.de
Homepage:     www.buddha-haus-hospiz.de

 

Bericht aus der Arbeit des Hospizvereins - von Wolfgang Smith im Juli 2010

Wir nehmen uns die nötige Zeit, unsere Arbeit in kleinen Schritten zu entwickeln. Im Rückblick erstaunt es mich, was alles aus den Visionen der ersten Treffen im Herbst 2003 entstanden ist. Damals waren wir fest entschlossen und überzeugt davon, binnen weniger Jahre ein spirituelles Hospiz als einen Ort etablieren zu können, an dem Menschen in Würde und Achtsamkeit leben und sterben können. Heute sind wir geduldiger und eher klüger, nicht zuletzt dank so mancher klärender Gespräche mit unserem spirituellen Leiter, dem Ehrw. Nyanabodhi. Man könnte sagen, dass die geistigen Kräfte nun ausgewogener und die praktischen Vorhaben realistischer geworden sind. Bleiben die Visionen also auf der Strecke?

In München hat sich in den letzten Jahren eine Sangha formiert, die sich gegenseitig unterstützt und die Kraft hervorbringt, Menschen zu begleiten, deren Kräfte am Ende ihres Lebens nachlassen. Diese Menschen brauchen unsere aktive Anteilnahme und tatkräftige Unterstützung. Und wir brauchen diese Menschen, die uns vorangehen und uns daran erinnern, worum es im Leben eigentlich geht – angesichts der Realität von Altern, Krankheit und Tod.

Unser Anliegen ist es, eine Verbindung zwischen spiritueller Weisheit und praktischer sozialer Aktion herzustellen. Die Grundlage ist das Dana-Prinzip. Der erste Ausbildungszyklus zum spirituellen Hospizbegleiter fand mit dem Titel „Hospizbegleiter – Sterbebegleitung im Lichte der Buddha-Lehre“ von Mai bis Dezember 2009 auf Dana-Basis statt. Die Resonanz war überwältigend, insbesondere nach der Ankündigung in „Buddhismus aktuell“. Beim ersten Treffen im Stadtzentrum München waren über 30 Teilnehmer gekommen. Als Michael und ich die Ausbildung planten, hatten wir uns erst auf eine Anzahl von 6 bis 12 Teilnehmern verständigt. Auf die Frage, „was machen wir, wenn nur drei Leute kommen“, wurde uns klar, dass wir einfach machen, egal wie viele kommen. Und dann, nachdem wir es verpasst hatten, die Aufnahme zu begrenzen, mussten wir mit dieser großen Gruppe zurechtkommen. Es war eine echte Herausforderung, bei regelmäßigen Gruppenübungen und Erfahrungsrunden die Energie zusammen zu halten. Zum Glück ist es uns Dank guter Praxis gelungen. Wie zu erwarten gab es anfangs eine deutliche und durchaus vorteilhafte Fluktuation. Zum Ende der Ausbildung nach intensivem Praktikum und 3-tägigem Kurs im Buddha-Haus haben 20 Teilnehmer in einer feierlichen Zeremonie verbunden mit wertschätzenden Worten ihr Zertifikat erhalten. Das Dana-Prinzip wurde überwältigend gelebt. Für die Ausbildung wurden über 9.000 Euro gespendet.

Anfang 2010 begann dann die praktische Arbeit und der Aufbau eines ambulanten Hospizdienstes auf Dana-Basis. Auf die Eröffnung des Hospizdienstes wurde im Stadtzentrum und in „Buddhismus aktuell“ aufmerksam gemacht. Von den 20 Absolventen haben sich über die Hälfte für Begleitungen und andere Dienste angeboten. Seit April bieten wir regelmäßige telefonische Sprechzeiten an und beantworten Email-Anfragen. Die meisten wollen wissen, wann die nächste Ausbildung stattfindet. Bei wenigen geht es um Sterbebegleitung. Fünf von uns begleiten derzeit alte Menschen – eine Frau ist 104 Jahre alt. Eine vietnamesische Familie bat um Begleitung ihrer 94 jährigen Mutter und Großmutter, die im Sterben liegt. Es war der Wunsch der Frau, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, deutsche Buddhisten an ihrem Sterbebett zu haben. Die fürsorgliche Begleitung durch die vietnamesische Sangha war sehr beeindruckend.

Wir wollen uns grundsätzlich am Bedarf orientieren. Zunächst waren wir davon ausgegangen, die nächste Ausbildung anzubieten, wenn wir die Nachfrage für Begleitungen nicht mehr abdecken können. Die Gründe für die bisher geringe Nachfrage sind vermutlich vielschichtig. Ob buddhistisch Praktizierende hierzulande bereit sind, in schwierigen Situationen Hilfe anzufragen und anzunehmen, mag ich nicht beurteilen. In unserer Ausbildung ist dies eines der wichtigen Lernziele. Die Nachfrage für eine spirituell orientierte Ausbildung für Hospizbegleiter ist außergewöhnlich groß. Ihre Wirkung geht weit über das Interesse unseres Hospizvereins hinaus. Ein Beispiel mag das illustrieren: Eine unserer Absolventinnen, eine langjährige Zen-Praktizierende und Krankenschwester in einer Intensivstation in Erlangen, schrieb kürzlich, dass sie in die Palliativstation gewechselt sei und nun Vieles von dem anwenden könne, was sie bei uns lernen durfte.

Nach gründlichem Erwägen planen wir derzeit die nächste Ausbildung zum spirituellen Hospizbegleiter für Mai bis Dezember 2011. Nähere Informationen veröffentlichen wir Anfang 2011 auf unserer Homepage (s.u.). So gehen wir Schritt für Schritt weiter und vertrauen darauf, auf einem guten Weg zu sein.

Die Vision eines stationären Hospizes hätten wir durchaus realisieren können, als Ende letzten Jahres ein edler Spender aus Norddeutschland eine größere Summe in unsere nicht vorhandene Hospizstiftung spenden wollte und bereits Ausschau nach geeigneten Kaufobjekten im Umland von München hielt. Bei der Besichtigung eines Objekts wurde uns klar, dass es noch nicht der richtige Zeitpunkt ist und wir Geduld mit unserer Vision brauchen.

Mögen alle Wesen im Dhamma wachsen, höchstes Glück und tiefsten Frieden finden.